Europas Ölkonzerne erwirtschaften 4,7 Milliarden US-Dollar durch den Handel mit der Volatilität des Iran-Kriegs

Während die meisten Anleger die Iran-Krise unbekümmert überstanden, druckten Europas größte Ölkonzerne stillschweigend Geld. Shell, BP, TotalEnergies und Eni erzielten gemeinsam Handelsgewinne in Höhe von etwa 4,75 Milliarden US-Dollar, indem sie von den heftigen Preisschwankungen profitierten, die mit der Angst vor einem umfassenderen Nahostkonflikt einhergingen.
Als die Spannungen eskalierten, stieg der Rohölpreis auf 118 US-Dollar pro Barrel und fiel dann unter 90 US-Dollar, nachdem Trumps Äußerungen zu einem möglichen Militäreinsatz die Markterzählung veränderten.
Wie das Geld verdient wurde
Die Gewinne entstanden nicht dadurch, dass man einfach auf den Ölfässern saß und zusah, wie der Preis stieg. Diese Unternehmen setzten ausgefeilte Handelsstrategien ein, die auf Derivaten und Absicherungen basieren, also Instrumenten, die darauf abzielen, von der Volatilität selbst zu profitieren und nicht nur von gerichteten Preisbewegungen.
Commodity Trading Advisors erreichten zum ersten Mal seit 2021 ihre maximalen Long-Positionen bei US-Öl, ein Signal dafür, dass spekulatives Geld in einem seit Jahren nicht mehr gesehenen Ausmaß in Rohöl floss.
Der Betrag von 4,75 Milliarden US-Dollar stellt die Gesamteinnahmen aller großen europäischen Hersteller dar, eine genaue Aufschlüsselung nach Unternehmen wurde jedoch nicht bekannt gegeben.
Eine Geschichte von zwei Märkten
Der japanische Nikkei 225 fiel um 5 %, als die Iran-Krise die globalen Aktienmärkte erfasste. Die implizite Volatilität, der Angstindikator des Marktes, stieg in allen Anlageklassen stark an. Beobachter der Zentralbanken haben Zinserhöhungen durch die Europäische Zentralbank, die Bank of England und die Schweizerische Nationalbank eingepreist, was zusätzlich zum geopolitischen Risiko auch die geldpolitische Unsicherheit erhöht. Der Euro rutschte gegenüber dem US-Dollar auf den niedrigsten Stand seit 2022.
Die Verteidigungsausgaben fügen eine weitere Ebene hinzu
Die Iran-Krise war nicht nur gut für Ölhändler. Auch die Verteidigungsunternehmen erlebten ihren eigenen Glücksfall: Lockheed Martin sicherte sich im gleichen Zeitraum einen US-amerikanischen Verteidigungsauftrag für Raketensysteme im Wert von 4,7 Milliarden US-Dollar.
Das Muster ist aus den Anfängen des Russland-Ukraine-Konflikts im Jahr 2022 bekannt, als die europäischen Ölkonzerne vierteljährliche Rekordgewinne verbuchten, während die Verbraucher mit steigenden Kraftstoffpreisen konfrontiert waren. Diese Episode löste in ganz Europa Debatten über Zufallssteuern aus.
Was das für Anleger bedeutet
Für jeden, der Aktien von Shell, BP, TotalEnergies oder Eni hält, sind die Handelsgewinne auf kurze Sicht eindeutig positiv. Diese unerwarteten Gewinne wirken sich direkt auf das Endergebnis aus und führen oft zu Aktienrückkäufen oder Dividendenerhöhungen.
Das zu beobachtende Risiko ist regulatorischer Natur. Die im Jahr 2022 eingeführte britische Windfall-Steuer auf Energiegewinne bleibt bestehen und könnte ausgeweitet werden. Frankreich und Italien haben ihre eigenen Versionen. Ein Handelsvolumen von 4,75 Milliarden US-Dollar während einer Kriegsangst ist die Art von Zahl, die auf dem Schreibtisch eines Politikers landet und nicht mehr verschwindet.
Dass Commodity Trading Advisors zum ersten Mal seit 2021 maximale Long-Positionen erreichen, ist ein Datenpunkt, den es wert ist, im Auge behalten zu werden. Dieses Maß an spekulativer Positionierung geht tendenziell scharfen Umkehrungen voraus, wenn der geopolitische Katalysator nachlässt.