Deutschland könnte die Steuererleichterung für einjährige Kryptobestände beenden

Deutschland ist seit Jahren eines der kryptofreundlichsten Länder für langfristige Anleger. Halten Sie Bitcoin über ein Jahr lang und die Gewinne sind völlig steuerfrei. Nun könnte dieser Vorteil gefährdet sein.
Finanzminister Lars Klingbeil kündigte kürzlich an, dass die Kryptobesteuerung im Rahmen des Bundeshaushalts 2027 überarbeitet werden soll. Während die Details noch ausgearbeitet werden, mehren sich die Spekulationen darüber, dass Deutschland bereit ist, seine berühmte Krypto-Steuerschlupflücke zu schließen.
Deutschland behandelt Kryptowährungen derzeit als Privatvermögen, ähnlich wie Gold oder Sammlerstücke.
Nach § 23 EStG zahlen Anleger keine Gewinnsteuer, wenn sie Vermögenswerte länger als ein Jahr halten. Diese Regel trug dazu bei, Deutschland als attraktiven Standort für langfristige Krypto-Inhaber zu positionieren, doch politische Entscheidungsträger betrachten die Ausnahme zunehmend als veraltet und teuer.
Die mögliche Reform würde wahrscheinlich die einjährige Haltefrist abschaffen und Kryptogewinne auf die gleiche Weise besteuern, wie Aktien und ETFs besteuert werden. Anleger könnten beim Verkauf von Kryptowährungen mit einer sofortigen Besteuerung und strengeren Meldepflichten rechnen müssen.
Österreich hat diesen Weg bereits im Jahr 2022 mit der Einführung einer Kryptogewinnsteuer von 27,5 % eingeschlagen.
Reformbefürworter argumentieren, dass Deutschland riesige Geldbeträge verliere.
Der Blockchain-Forscher und Fintech-Experte Co-Pierre Georg, der als Direktor des Frankfurt School Blockchain Center fungiert, schätzt, dass dem Land allein im Jahr 2024 rund 11,4 Milliarden Euro an Kryptosteuereinnahmen entgangen sein könnten. Auch die Besteuerung nicht realisierter Gewinne wurde eingeführt.
Krypto-Unternehmen und Lobbygruppen haben sich jedoch entschieden gegen die Idee ausgesprochen.
Eric Demuth, CEO von Bitpanda, sagt, Österreichs Erfahrung zeige eine hohe Komplexität und mehr Bürokratie ohne nennenswerte Steuervorteile. Unterdessen ist der Deutsche Bitcoin-Verband davon überzeugt, dass es sich bei dem Vorschlag faktisch um eine versteckte Steuererhöhung handelt, die eher auf verantwortungsbewusste, langfristige Anleger als auf Steuerhinterzieher abzielt.
Es wurde noch keine endgültige Entscheidung getroffen, aber die Regierung wird ihre Pläne voraussichtlich Anfang Juli fertigstellen.