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Beau von der Banque de France streitet mit Lagarde wegen digitaler Euro-Pläne

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Beau von der Banque de France streitet mit Lagarde wegen digitaler Euro-Pläne

Die Europäische Zentralbank und die französische Zentralbank sollen im selben Team sein. Im Moment lesen sie aus sehr unterschiedlichen Lehrbüchern über die Zukunft des digitalen Geldes in Europa.

Denis Beau, stellvertretender Gouverneur der Banque de France, drängt mit Nachdruck auf die rasche Entwicklung von auf Euro lautenden Token-Geldern und Stablecoins, die in Zusammenarbeit mit dem Privatsektor entwickelt werden. EZB-Präsidentin Christine Lagarde würde unterdessen lieber das eigene digitale Euro-Projekt der Zentralbank im Rampenlicht halten und private Stablecoins bestenfalls als zweitrangiges Anliegen behandeln.

Zwei Visionen, eine Währung

Beaus Argument ist eindeutig: Europa kann es sich nicht leisten, zu warten. Er fordert eine Zusammenarbeit zwischen privaten und öffentlichen Institutionen, um eine europaweite tokenisierte Zahlungsinfrastruktur aufzubauen, und er möchte, dass die Regulierungsrahmen im Rahmen von MiCA angepasst werden, um dies schneller zu ermöglichen.

Der Großhandelsdienst für tokenisiertes Geld der Banque de France soll bis Ende 2025 eingeführt werden, ganze 18 Monate vor dem Zeitplan für das digitale Euro-Pilotprojekt der EZB.

Auf der Seite des privaten Sektors plant das Qivalis-Konsortium, eine Gruppe von 12 Großbanken, darunter ING und BNP Paribas, die Einführung eines privaten digitalen Euro im Jahr 2025. Diese Initiative passt perfekt zu Beaus Vision, dass europäische Banken tokenisierte Lösungen entwickeln, anstatt auf eine von der Regierung ausgegebene Alternative zu warten.

Lagardes Position ist zurückhaltender. Sie hält private Euro-Stablecoins für weniger wünschenswert als eine digitale Zentralbankwährung und argumentiert, dass der eigene digitale Euro der EZB Vorrang haben sollte. Das Projekt der EZB befindet sich seit Oktober 2025 in der Phase der Anbieterauswahl, die Pilotphase ist für Mitte 2027 geplant.

Warum die Meinungsverschiedenheit wichtig ist

Auf Dollar lautende Stablecoins, vor allem USDT und USDC, dominieren den globalen Stablecoin-Markt. Europa hat praktisch keinen Marktanteil. Jeder Monat, der ohne eine glaubwürdige, auf Euro lautende digitale Alternative vergeht, ist ein Monat, in dem sich Dollar-Stablecoins weiter in den globalen Krypto- und Zahlungsschienen festigen.

Bei Beaus Vorstoß für privates Token-Geld geht es nicht nur um Innovation um der Innovation willen. Es geht um die europäische Zahlungsautonomie, die Idee, dass der Kontinent für seine digitale Transaktionsinfrastruktur nicht von in den USA ansässigen Stablecoin-Emittenten oder amerikanischen Zahlungsnetzwerken abhängig sein sollte.

Die Kluft zwischen den beiden Zeitlinien ist frappierend. Die Einführung des Großhandelsdienstes der Banque de France im Jahr 2025 im Vergleich zu den digitalen Euro-Pilotprojekten der EZB Mitte 2027 ist kein geringfügiger zeitlicher Unterschied. Es ist eine philosophische Kluft darüber, ob Geschwindigkeit oder Kontrolle wichtiger sind.

Der Privatsektor wartet nicht

Wenn sich zwölf große Finanzinstitute zusammenschließen, um einen privaten digitalen Euro aufzubauen, signalisieren sie, dass sie auch nicht auf den Zeitplan der EZB warten wollen.

Beaus Forderung nach weiteren regulatorischen Anpassungen deutet darauf hin, dass selbst MiCA in seiner aktuellen Form nicht weit genug geht, um die von ihm angestrebte tokenisierte Zahlungsinfrastruktur zu ermöglichen.

Die Banque de France war in der Vergangenheit eine der fortschrittlichsten europäischen Zentralbanken für digitale Vermögenswerte und führte Tokenisierungsexperimente lange vor vielen ihrer Konkurrenten durch.

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