Blockchain.com beantragt US-Börsengang bei der SEC

Blockchain.com hat bei der Securities and Exchange Commission einen Börsengang in den USA beantragt, was einen wichtigen Meilenstein für eines der ältesten noch existierenden Unternehmen im Bitcoin-Ökosystem darstellt.
Das Unternehmen, das 2011 als Blockchain.info gegründet wurde, geht davon aus, dass die amerikanischen öffentlichen Märkte der richtige Ort für sein nächstes Kapitel sind. Dies ist ein bemerkenswerter Wendepunkt gegenüber früheren Plänen, bei denen das Unternehmen Notierungen in London oder Hongkong im Auge hatte.
Vom Block-Explorer zum IPO-Kandidaten
Das ist das Besondere an Blockchain.com: Es gibt es schon länger, als die meisten Menschen das Wort „Blockchain“ kennen. Die Plattform startete als einfacher Bitcoin-Block-Explorer und Wallet-Anbieter, bevor Krypto cool war, bevor es umstritten war und lange bevor es in Washington zum parteiischen Gesprächsthema wurde.
Im Laufe der Jahre expandierte das Unternehmen in die Bereiche Börsendienste, institutionelle Kredite und eine breitere Palette von Krypto-Finanzprodukten. Die letzte bekannte private Bewertung lag im April 2025 bei 6,9 Milliarden US-Dollar, womit das Unternehmen zu den höher bewerteten privaten Kryptofirmen weltweit zählt.
Doch private Bewertungen und Marktrealität stimmen nicht immer überein. Aktien von Blockchain.com wurden auf Sekundärmärkten zu Preisen gehandelt, die darauf hindeuten, dass Anleger skeptisch sind, ob die Zahl von 6,9 Milliarden US-Dollar einer Prüfung standhält. Am Nasdaq Private Market kosteten die Aktien kürzlich 10,40 US-Dollar. Auf Hiive, einer weiteren sekundären Plattform, war der Preis mit 6,89 $ sogar noch niedriger.
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Auf Englisch: Die Leute, die vor dem Börsengang tatsächlich Aktien kaufen und verkaufen, gehen davon aus, dass das Unternehmen deutlich weniger wert sein könnte, als in der letzten Finanzierungsrunde angedeutet wurde. Diese Lücke zwischen privater Bewertung und Sekundärmarktpreisen ist etwas, das öffentliche Anleger genau im Auge behalten sollten.
Warum die USA, warum jetzt
Die Entscheidung, den Antrag in den USA statt in London oder Hongkong einzureichen, spiegelt ein breiteres Migrationsmuster unter großen Kryptofirmen wider. Der amerikanische Markt bietet tiefere Liquiditätspools, eine größere Basis an Privatanlegern und institutionellen Anlegern und zunehmend ein regulatorisches Umfeld, das Kryptounternehmen als vorhersehbarer betrachten als noch vor zwei Jahren.
Blockchain.com schließt sich einer wachsenden Liste regulierter Web3-Unternehmen an, die öffentliches Kapital in den USA suchen. Circle, der Emittent hinter USDC, strebt ebenfalls eine Notierung in den USA an. Coinbase, das bereits 2021 an die Börse ging, ist nach wie vor das bekannteste börsennotierte kryptonative Unternehmen an amerikanischen Börsen.
Insbesondere für Blockchain.com bedeutet ein Börsengang etwas, das das Unternehmen als Privatunternehmen weitgehend vermieden hat: vollständige finanzielle Transparenz. Öffentliche Einreichungen erfordern eine detaillierte Offenlegung von Einnahmequellen, Betriebskosten, Benutzerkennzahlen und Risikofaktoren. Dieses Maß an Offenheit wurde für Kryptofirmen nicht mehr verhandelbar, nachdem eine Reihe aufsehenerregender Zusammenbrüche, von FTX bis Celsius, das Vertrauen in der gesamten Branche untergraben hatten.
Die Anleger sind wählerischer geworden. Sie wollen geprüfte Bücher und die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften, bevor sie Schecks ausstellen. Ein bei der SEC registrierter Börsengang kommt einem Vertrauenszertifikat in etwa so nahe, wie es ein Kryptounternehmen nur bekommen kann.
Was das für Anleger bedeutet
Ein erfolgreicher Börsengang von Blockchain.com würde Anlegern auf dem öffentlichen Markt eine neue Möglichkeit bieten, in die Kryptowirtschaft einzusteigen, ohne tatsächlich digitale Token zu besitzen. Dabei handelt es sich um eine Anlagekategorie, die sich rasant erweitert hat, von Bitcoin-ETFs bis hin zu Bergbauaktien, und ein Blockchain.com-Ticker würde dem Menü eine weitere Option hinzufügen.
Aber schauen Sie, die Sekundärmarktpreise sind eine warnende Geschichte. Wenn Aktien vor dem Börsengang mit starken Abschlägen gegenüber der letzten privaten Runde gehandelt werden, signalisiert dies typischerweise, dass erfahrene Käufer ein Risiko in der Fähigkeit des Unternehmens sehen, seinen Umsatz aufrechtzuerhalten oder seine Bewertung zum Fundraising-Preis zu rechtfertigen. Das bedeutet nicht, dass der Börsengang scheitern wird. Dies bedeutet, dass der letztendliche öffentliche Angebotspreis ein genau beobachteter Datenpunkt sein wird.
Auch hier spielt die Wettbewerbslandschaft eine Rolle. Blockchain.com agiert in einem überfüllten Feld. Coinbase dominiert den US-Devisenmarkt. Binance verfügt über ein enormes globales Volumen. Es entstehen immer neuere Plattformen mit niedrigeren Gebühren und schlankeren Schnittstellen. Eine öffentliche Notierung könnte Blockchain.com Zugang zu Kapital für Akquisitionen und Produktentwicklung verschaffen, erfordert aber auch eine ständige vierteljährliche Prüfung, ob das Unternehmen in Bezug auf Gebühren, Benutzerwachstum und institutionelle Akzeptanz effektiv konkurrieren kann.
Es stellt sich auch die Frage, was diese Einreichung auf die breitere Krypto-IPO-Pipeline aussagt. Wenn Blockchain.com erfolgreich Preise festlegt und gut handelt, könnte dies die Tür für andere private Kryptofirmen öffnen, die am Rande sitzen. Wenn es Schwierigkeiten hat, könnte es den Appetit auf Krypto-Listings für einen weiteren Zyklus dämpfen.
Derzeit sind Aktien nur über akkreditierte Käufer auf sekundären Plattformen zugänglich. Privatanleger müssen auf den tatsächlichen Börsengang warten, um eine Position einzunehmen, und bis dahin könnte die Preisdynamik ganz anders aussehen als das, was private Markthändler heute sehen.