EZB-Chef Schnabel fordert Zinserhöhung im Juni angesichts von Inflationssorgen

Isabel Schnabel, Mitglied des Direktoriums der Europäischen Zentralbank, sagte, die EZB solle auf ihrer Juni-Sitzung die Zinsen anheben, selbst wenn ein Friedensabkommen mit dem Iran zustande komme. Die Erklärung vom 26. Mai markiert einen entscheidenden Tonwechsel gegenüber der Zentralbank, die die Zinsen noch im April stabil gehalten hatte.
Was treibt den aggressiven Kurswechsel an?
Der Iran-Konflikt, der im Februar 2026 eskalierte, hat die Energiepreise in der gesamten Eurozone in die Höhe getrieben. Die Kosten für globale Unternehmen durch den Konflikt werden im Mai 2026 auf 25 Milliarden US-Dollar geschätzt.
Die EZB hielt die Zinsen auf ihrer April-Sitzung stabil, wobei der Hauptrefinanzierungssatz bei 2,15 % und der Einlagesatz bei 2,0 % lag. Aber die Inflationslage hat sich offenbar so stark verschlechtert, dass Geduld nicht mehr die bevorzugte Strategie ist.
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Auch Schnabels Position ist kein Einzelfall. Martin Kocher, ein weiterer politischer Entscheidungsträger der EZB, äußerte ähnliche Ansichten. Es scheint sich im EZB-Rat ein Konsens darüber zu bilden, dass die Sitzung am 10. und 11. Juni zu einer Zinserhöhung führen wird.
Was Schnabels Kommentare besonders bemerkenswert macht, ist die explizite Ablehnung geopolitischer Entwicklungen als Grund zum Abwarten. Selbst wenn sich die Situation im Iran morgen deeskaliert, möchte sie trotzdem, dass die Zinsen steigen. Das zeigt, dass die EZB den Inflationsschaden als bereits eingedämmt ansieht.
Markterwartungen und künftige Zinsentwicklung
Die Märkte haben die Botschaft verstanden. Analysten gehen davon aus, dass eine Zinserhöhung im Juni so gut wie sicher ist, und die Erwartungen deuten auf mehrere Aufwärtsanpassungen im Laufe des nächsten Jahres hin. Spekulationen deuten darauf hin, dass der Einlagensatz auf irgendwo zwischen 2,75 % und 3 % steigen könnte, was einen deutlichen Sprung von derzeit 2,0 % darstellt.
Was das für Krypto-Investoren bedeutet
Wenn die Kreditkosten steigen, verringert sich die Liquidität. Wenn die Liquidität schrumpft, leidet tendenziell das spekulative Ende des Anlagespektrums, zu dem vor allem Bitcoin und Ethereum gehören. Während der früheren Straffungszyklen der EZB gerieten Risikoanlagen auf breiter Front unter Abwärtsdruck, da das Kapital in höher verzinsliche festverzinsliche Instrumente umgeschichtet wurde.
Höhere Zinssätze bedeuten höhere Opportunitätskosten für das Halten nicht rentabler Vermögenswerte. Bitcoin zahlt keinen Coupon. Die Stakerenditen von Ethereum müssen mit immer attraktiveren risikofreien Zinssätzen in Euro konkurrieren. Wenn diese risikofreien Zinssätze in Richtung 3 % steigen, ändert sich die Kalkulation für institutionelle Allokatoren.
Händler sollten sich auf eine erhöhte Volatilität rund um die Sitzung vom 10. bis 11. Juni einstellen. Die Pressekonferenz im Anschluss an die Entscheidung wird ebenso wichtig sein wie die Entscheidung selbst, da Prognosen zum Tempo künftiger Zinserhöhungen den Ton für die Risikobereitschaft im Laufe des Sommers bestimmen werden.
Anleger, die in DeFi-Protokollen mit an den Euro gebundenen Stablecoins oder an Kreditmärkten mit Blick auf die Eurozone positioniert sind, sollten beobachten, wie sich höhere Zinssätze auf die Kreditkosten in der Kette auswirken.