Massiver Anstieg des Aktienmarktes rückt die schwache Leistung von Bitcoin ins Rampenlicht

Traditionelle Aktien wie der S&P 500 erleben ein historisches Comeback und schütteln die wochenlange geopolitische Angst ab, um neue Allzeithochs zu erreichen.
Doch Bitcoin, das in der Vergangenheit gleichzeitig von der risikofreudigen Stimmung profitierte, schleppt sich merklich in die Länge, sodass sich die Anleger fragen, was in seiner Erzählung fehlt.
Der S&P 500 schloss diese Woche um 0,8 % höher, was den Referenzindex auf einen Rekordwert von 7.022,95 trieb und seinen vorherigen Höchstwert von Ende Januar übertraf.
Der Meilenstein stellt eine dramatische Kehrtwende im Vergleich zum turbulenten ersten Quartal dar, in dem der Index am 30. März aufgrund des Konflikts zwischen den USA, Israel und dem Iran und den anschließenden Ölpreisschocks um fast 10 % auf einen lokalen Tiefststand von 6.316,91 abstürzte.
Während die Wall Street die Rückkehr der „Gier“ feiert und stark kapitalisierte Technologieaktien ihre Marktdominanz zurückerobern, bleibt Bitcoin in einer längeren Konsolidierungsphase gefangen.
Die Flaggschiff-Kryptowährung wird weiterhin deutlich unter ihrem bisherigen Allzeithoch gehandelt, was eine seltene und anhaltende Abkopplung von traditionellen Risikoanlagen verdeutlicht, die seit 2020 nicht mehr in dieser Schwere beobachtet wurde.
Warum das wichtig ist
Seit Jahren verhält sich Bitcoin wie eine High-Beta-Erweiterung des Aktienmarktes und verstärkt große risikofreudige Bewegungen bei Aktien. Wenn diese Beziehung gerade dann zusammenbricht, wenn die Wall Street in eine starke Dynamikphase eintritt, könnten Krypto-Investoren einen wichtigen Teil der globalen Risikorallye verpassen oder mit einer viel stärkeren Aufholbewegung konfrontiert sein, wenn das Kapital plötzlich wieder in die Kette zurückkehrt.
Der „Momentumschub“, der Aktien antreibt
Die Geschwindigkeit der Erholung des Aktienmarktes hat viele institutionelle Abteilungen überrascht.
In den zwei Wochen seit den Tiefstständen Ende März haben sich die Märkte schnell an die anhaltende geopolitische Unsicherheit im Nahen Osten angepasst und die Marktkapitalisierung um über 6 Billionen US-Dollar gesteigert.
Laut Warren Pies, Gründer von 3F Research, stellt die Marktentwicklung in den letzten zehn Tagen eine statistische Anomalie dar. Mit einem Anstieg von fast 10 % liegt der S&P 500 im 99,7. Perzentil aller 10-Tage-Renditen.
S&P 500 10-Tage-Rendite (Quelle: 3F Research)
Historisch gesehen gab es seit 1950 nur 20 Fälle, in denen der Aktienmarkt solch aggressive kurzfristige Gewinne verzeichnete. Pies bezeichnete diese Ereignisse als zinsbullische „Momentumschübe“, die in den nächsten zwölf Monaten typischerweise eine durchschnittliche Rendite von 19 % bringen.
Was die aktuelle Aktienrallye jedoch einzigartig macht, ist ihre Nähe zu Allzeithochs.
Laut Pies ereigneten sich die bisherigen Dynamikschübe fast ausschließlich während tiefer Bärenmärkte, wobei die Indizes immer noch 20 % oder mehr unter ihren Höchstständen verharrten.
Unterdessen war die aktuelle Markterholung ausgesprochen kopflastig. Seit dem Tief vom 30. März ist ein Fonds, der die „Magnificent 7“-Mega-Cap-Technologieaktien verfolgt, um fast 18 % gestiegen und hat den breiteren S&P 500 um etwa 8 % übertroffen, wenn man diese sieben Unternehmen ausschließt.
Diese aggressiven institutionellen Käufe werden größtenteils durch das Narrativ „KI-Infrastruktur“ vorangetrieben, wobei Branchenführer wie Oracle als Hauptmotoren des globalen Produktivitätswachstums fungieren.
Darüber hinaus sorgte auch das makroökonomische Umfeld für kräftigen Rückenwind.
Die Entspannung im Persischen Golf, die durch diplomatische Gespräche und einen vorübergehenden Waffenstillstand hervorgehoben wurde, hat die unmittelbaren Befürchtungen einer längeren Blockade in der Straße von Hormus gemildert.
Gleichzeitig lagen die Daten zum US-Erzeugerpreisindex (PPI) für März mit 0,1 % deutlich unter den Erwartungen, was zeigt, dass die US-Wirtschaft weiterhin äußerst widerstandsfähig und weitgehend von den vorübergehenden energiebedingten Inflationsspitzen verschont bleibt, die die Marktgewinne zu Beginn des Jahres begrenzten.
Eine historische Entkopplung für den Kryptomarkt
Während der Nasdaq Composite gleichzeitig eine 10-tägige Siegesserie feierte, die längste seit Ende 2021, konnte der Sektor der digitalen Vermögenswerte diesen ungezügelten Optimismus nicht widerspiegeln.
Trotz des nachlassenden makroökonomischen Drucks bleibt Bitcoin stark abgezinst und bewegt sich im Bereich von 74.000 bis 76.000 US-Dollar.
Dies stellt einen erstaunlichen Rückgang von 40 % gegenüber dem bisherigen Allzeithoch von mehr als 126.000 US-Dollar dar und spiegelt die seit mehreren Monaten anhaltende Flaute wider.
Von CryptoQuant zusammengestellte Daten verdeutlichen diese Divergenz. Nach Angaben des Unternehmens fungiert Bitcoin traditionell als Vermögenswert mit hohem Beta, der den Liquiditätstrends des S&P 500 und des Nasdaq lose folgt.
Bitcoin entkoppelt sich vom S&P 500 (Quelle: CryptoQuant)
Die aktuelle Preisentwicklung wird jedoch von der eigenen internen schleppenden Dynamik bestimmt. Infolgedessen ist die aktuelle Phase schwacher Korrelation mit dem S&P 500 nun die längste seit über vier Jahren.
Dies zeigt sich auch daran, dass die Stimmung im gesamten digitalen Asset-Bereich in eine „Selbstzufriedenheitsphase“ übergegangen ist.
Nach Angaben des Analyseunternehmens Alphractal befindet sich die allgemeine Stimmung am Kryptomarkt auf einem neutralen, grenzwertig bullischen Niveau, was angesichts der erheblichen Entfernung des Vermögenswerts von der Preisfindung höchst ungewöhnlich ist.
Stimmungsmesser für den Kryptomarkt (Quelle: Alphractal)
On-Chain-Metriken signalisieren eine Fragilität