Die europäische Expansion erlebt einen Temposchub, aber Polymarket sichert sich vor der Fußball-Weltmeisterschaft eine wichtige deutsche Partnerschaft

Polymarket hat eine exklusive Vertriebspartnerschaft für Prognosemärkte mit der in Berlin ansässigen Fußball-Medienplattform OneFootball unterzeichnet und damit zwei Wochen vor Beginn der FIFA-Fußballweltmeisterschaft 2026 in Nordamerika einen Kanal für 200 Millionen monatlich aktive Nutzer und ein breiteres 645-Millionen-Fan-Ökosystem eröffnet. Der Haken: Polymarket kann in Deutschland (oder anderswo in Europa) noch immer nicht mit voller Auslastung operieren.
Wichtige Erkenntnisse:
Polymarket hat vor der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft eine exklusive OneFootball-Partnerschaft unterzeichnet, die monatlich 200 Millionen Nutzer erreicht
Deutschland ist vom OneFootball-Deal ausgeschlossen, da Polymarket keine deutsche Glücksspiellizenz besitzt
Die Vereinbarung ist Polymarkets sechste große Fußballpartnerschaft innerhalb von fünf Monaten vor der Weltmeisterschaft 2026
Der größte Fußballvertriebsvertrag von Prediction Market überspringt halb Europa
Polymarket gab den Deal am Donnerstag, dem 28. Mai, bekannt und brandmarkte die Plattform als exklusiven Prognosemarktpartner von OneFootball für Spielzentren, redaktionelle Inhalte und personalisierte Fanreisen. Der Rivale Kalshi und andere Vorhersageplattformen sind von der gleichen Produktoberfläche ausgeschlossen. OneFootball wies in seiner Ankündigung darauf hin, dass die Polymarket-Integration nur in berechtigten Märkten eingeführt wird, vorbehaltlich lokaler Gesetze und Plattformanforderungen.
Deutschland verbietet den Betrieb von Prognosemarktplattformen, es sei denn, sie erfüllen die gleichen regulatorischen Anforderungen wie lizenzierte Glücksspielbetreiber, und Polymarket, das in den USA von der Commodity Futures Trading Commission reguliert wird, erfüllt dies nicht. Die OneFootball-Partnerschaft erreicht Nutzer weltweit, schließt jedoch den eigenen Heimatmarkt des Unternehmens aus.
Die OneFootball-Vereinbarung krönt einen fünfmonatigen Sportvertriebssprint, der zu sechs großen Fußballverträgen geführt hat. Polymarket schloss sich im Januar mit DAZN zusammen, unterzeichnete am 2. April einen Vertrag mit LALIGA North America, schloss am 18. April einen Trikot-Vertrag über 22 Millionen US-Dollar mit Lazio ab, wurde im Mai exklusiver US-Partner der Serie A und fügte nun OneFootball dem Portfolio hinzu. Keines dieser auf Europa ausgerichteten Deals gewährt Polymarket tatsächlich europäischen Marktzugang: Die LALIGA-Vereinbarung ist auf die USA und Kanada ausgeweitet, während die italienischen Deals als Informations- und Analysedienste dienen, da Polymarket keine ADM-Glücksspiellizenz im Land besitzt.
Die Strategie geht auf die Einstellung von Ari Borod, dem ehemaligen Chief Business Officer von Fanatics, als Präsident für Sportgeschäftsentwicklung durch Polymarket im Februar zurück. Sport macht laut Pew Research seit Juli 2024 39 % des gesamten Handelsvolumens von Polymarket aus, und der Weltmeisterschaftsmarkt 2026 der Plattform hat seit seiner Einführung im Juli 2025 ein Gesamtvolumen von über 1,2 Milliarden US-Dollar abgewickelt.
Unterdessen nimmt der Regulierungsdruck in Europa zu. Die spanische Glücksspielaufsichtsbehörde DGOJ eröffnete letzte Woche ein Sanktionsverfahren gegen Polymarket und Kalshi und schloss sich damit dem Januar-Ultimatum Portugals und dem Vollstreckungsbeschluss der Niederlande vom Februar an. Polymarket selbst hat die KYC-Maßnahmen aufgrund der Sanktionen des OFAC verschärft, während Kalshi das Unternehmen öffentlich beschuldigt hat, auf seiner Offshore-Plattform Benutzer mit sanktionierter Gerichtsbarkeit zu beherbergen.
Patrick Fischer, CEO von OneFootball, bezeichnete den Deal als Teil der Web3-Strategie des Unternehmens nach der kürzlichen Einführung von OneFootball Credits ($OFC). Für Polymarket stellt die OneFootball-Partnerschaft den größten Einzelvertriebskanal dar, den das Unternehmen im Rahmen seiner Marketingoffensive im Jahr 2026 unterzeichnet hat, und das jüngste Beispiel dafür, dass die Plattform die Präsenz einer europäischen Fußballmarke aufbaut, ohne sich einen tatsächlichen europäischen Handelszugang zu sichern.
Was die FIFA selbst betrifft, so wählte die Organisation im April ADI Predictstreet, eine wenig bekannte, in Gibraltar lizenzierte Prognoseplattform, als ihren ersten offiziellen Prognosemarktpartner. Seitdem hat sich DAZN verpflichtet, sie in WM-Livestreams einzubetten.